SD-WAN oder MPLS? Die kurze Antwort: SD-WAN ist deutlich günstiger, flexibler und besser für moderne Cloud-Anwendungen geeignet – MPLS bleibt nur dort relevant, wo eine vertraglich garantierte, deterministische Dienstgüte unverzichtbar ist. Dieser Vergleich zeigt, worin sich die beiden Ansätze der Standortvernetzung unterscheiden und wie eine Migration abläuft.
Wie funktionieren MPLS und SD-WAN?
MPLS (Multiprotocol Label Switching) leitet den Datenverkehr über dedizierte, private Verbindungen eines Netzbetreibers. Das liefert garantierte Dienstgüte (QoS) und stabile Latenzen – zu hohen Kosten, mit langen Bereitstellungszeiten und starrer Architektur: Der gesamte Verkehr, auch der zu Cloud-Diensten, wird typischerweise über die Zentrale geführt.
SD-WAN (Software-Defined WAN) nutzt beliebige Zugänge – Glasfaser, Kabel, 4G/5G, sogar Satellit – und steuert den Verkehr softwarebasiert: Die Lösung misst permanent Qualität und Auslastung jedes Links und leitet jede Anwendung über den jeweils besten Weg. Geschäftskritischer Verkehr wird priorisiert, Cloud-Anwendungen nehmen den direkten Weg ins Internet (Local Breakout), und beim Ausfall eines Links übernimmt der nächste automatisch.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | MPLS | SD-WAN |
|---|---|---|
| Kosten | Hoch (dedizierte Leitungen) | Deutlich niedriger – nutzt vorhandene Internetzugänge |
| Bereitstellung neuer Standorte | Wochen bis Monate | Tage – Gerät anschließen, Konfiguration kommt zentral |
| Cloud/SaaS-Anwendungen | Umweg über die Zentrale | Direkter, optimierter Zugriff pro Anwendung |
| Redundanz | Zweite MPLS-Leitung nötig (teuer) | Mehrere Links (Glasfaser/4G/Satellit) nativ kombiniert |
| QoS | Vertraglich garantiert, Ende-zu-Ende | Dynamisch pro Anwendung gesteuert |
| Sicherheit | Privates Netz (Verschlüsselung oft separat) | IPsec-verschlüsselte Tunnel + integrierte Firewall |
| Transparenz | Begrenzt (Betreiber-Sicht) | Zentrales Dashboard über alle Standorte und Links |
Ist SD-WAN sicher?
Ja – vorausgesetzt, es wird mit den passenden Sicherheitsfunktionen kombiniert: IPsec-Verschlüsselung auf allen Tunneln, eine Next-Generation-Firewall an jedem Standort, Netzsegmentierung und zentrale Überwachung. In einer gemanagten Lösung sind diese Bausteine integriert; das Ergebnis ist ein privates, verschlüsseltes Overlay-Netz über öffentliche Zugänge – konform mit den Anforderungen der NIS2-Regulierung.
Wann lohnt sich der Umstieg – und wie läuft die Migration?
Der Umstieg lohnt sich besonders, wenn MPLS-Verträge auslaufen, neue Standorte oder Filialen schnell angebunden werden müssen, Ihre Anwendungen zunehmend in der Cloud liegen oder die Leitungskosten aus dem Ruder laufen. Bewährt hat sich die schrittweise Migration: SD-WAN parallel zum bestehenden Netz aufbauen, Standort für Standort umziehen, und erst nach bestätigter Stabilität die alten Leitungen kündigen. Für Unternehmen mit vielen gleichartigen Standorten – Filialnetze, Werkstätten, Franchise-Systeme – ist der standardisierte Rollout einer der größten Vorteile: Jeder weitere Standort ist eine Wiederholung, kein neues Projekt.
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